Eine monogame Beziehung öffnen - wie kann der Wechsel in eine offene Beziehung gelingen?

Es gibt immer mehr Menschen, die sich von dem einem absolut klassischen monogamen Beziehungsmodell verabschieden möchten. Für die meisten geht es dann um das Öffnen einer Beziehung - also die Idee einer Konsensuellen-Nicht-Monogamie (KNM).

Gleichzeitig kommt mit dem Wunsch auch schnell eine Unsicherheit - wie kann es gelingen und gut werden, ohne die ursprüngliche Beziehung zu gefährden? Wie gehen wir als Paar damit um, wenn sich etwas nicht gut anfühlt? Können wir die Beziehung auch wieder schließen oder geht es dann direkt um eine Trennung? Vielleicht leben du und deine Beziehungsperson bereits eine offene Beziehung und es braucht hier und da noch ein paar Tipps? Oder überlegst du noch, ob eine offene Beziehung generell etwas für dich ist oder vielleicht auch eher nicht? In diesem Blogbeitrag teile ich mit dir ein paar wichtige Punkte, um einen Einblick in das Öffnen einer monogamen Beziehung zu bekommen.

Lieber zu zweit bleiben oder doch neue Abenteuer mit anderen Menschen wagen?

Eine offene Beziehung kann Herausforderung aber auch ein großes Geschenk für eine Beziehung sein. Es braucht gute und klare Kommunikation und sichere Grenzen.

Wie funktioniert eine offene Beziehung? - Empathie, regelmäßiges einchecken, Transparenz mit weichen Grenzen.

Wenn du eine monogame Beziehung lebst und ihr euch gemeinsam für eine offene Beziehung entscheidet, ist es wichtig erstmal darüber zu sprechen, was genau euer Ausgangspunkt ist. Entscheidet ihr euch aus einem Defizit heraus, weil etwas in eurer Beziehung zu zweit so nicht mehr reicht oder aus einer Neugierde heraus, andere Menschen auf einer sexuellen Ebene in euer Leben zu lassen? Beides sind valide Ausgangspunkte, brauchen aber immer ehrliche Gespräche und regelmäßiges Einchecken miteinander. Im besten Fall sprecht ihr vor dem Öffnen eurer Beziehung über euren Ausgangspunkt und die Dinge, die euch dazu beschäftigen.

Einchecken kann ganz konkret bedeuten: Holt euch auf der emotionalen Ebene ab, welche Gefühle begleiten euch bei dem Gedanken die Beziehung zu öffnen? Wenn ihr euch von der rationalen Ebene verabschiedet und euch ausschließlich die emotionale Ebene anschaut - was ist dann da? Und könnt ihr diesen Gefühlen mit Empathie und Zeit begegnen? Vielleicht gibt es eine Angst, die noch etwas Zeit oder Klarheit braucht. Vielleicht eine Freude, die aber von Dingen ablenkt, die noch besprochen werden dürfen. Darin ist es wichtig transparent mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Du darfst voller Vorfreude und Neugierde sein, während deine Beziehungsperson noch mit Sorgen rund um das Öffnen der Beziehung beschäftigt ist. Klärt in einem transparenten Gespräch über eure Gefühle auch eure Grenzen ab. Diese dürfen erstmal weich sein. Es geht also nicht um ein hartes verhandeln, sondern ein zu zweit spielerisch ausprobieren, welche Grenzen sich verschieben lassen und welche definitiv gar nicht.

Ein absolutes Nein zu wiederholtem Sex mit jemandem vom Arbeitsplatz, während ein One-Night-Stand in diesem Setting okay wäre. Ein Ja zu Übernachtungen außerhalb eurer Heimatstadt, während eine Übernachtung in der Nähe von eurem Zuhause eher Unruhe reinbringt. Die Dinge, die ihr am Anfang besprecht, müssen nicht für immer in Stein gemeißelt sein. Es geht darum, eine Sicherheit miteinander zu finden. Um sich dann durch wiederholtes Einchecken immer wieder neu abzusichern. In all dem geht es auch darum, sicherzugehen, ob ihr euch als Hauptbeziehung betiteln möchtet. Das kann zum Beispiel konkret bedeuten: Nur ihr macht Urlaube zusammen, nur ihr seid euer +1 auf Hochzeiten, emotionale Bindungen werden nicht vertieft mit Sexpartner:innen gelebt.

Braucht es Regeln in einer offenen Beziehung? - Zwischen striktem Regelwerk und unausgesprochener Verunsicherung.

Manche Paare wünschen sich ein striktes Regelwerk, andere wollen auf das Vertrauen in der Beziehung setzen und so wenig wie möglich besprechen. In meiner Praxis lade ich dazu ein, bestimmte Aspekte einer offenen Beziehung zu beleuchten. Warum fühlt sich ein striktes und meist starres Regelwerk nach Sicherheit an? Was versprecht ihr euch davon, ohne einen Rahmen oder Regeln in eine völlig neue Beziehungsform zu gehen? Erstmal allgemein über alle möglichen Regeln zu sprechen, kann sehr dabei helfen, sich zu orientieren. Immer wieder begleite ich Paare, die bereits eine offene Beziehung leben und das Gefühl haben, damit zu scheitern. Sehr schnell stelle ich mit diesen Paaren dann fest, dass sie bestimmte Dinge gar nicht oder nur ein einziges Mal verhandelt haben. Und in einer Verhandlung in irgendeiner Form einen Kompromiss eingegangen sind.

Erstmal über alles Mögliche reden - auch, wenn es sich banal anfühlt.

Ich empfehle euch, von Beginn an über alle möglichen Regeln zu sprechen, die euch einfallen. Seid wirklich kreativ, sprecht die Dinge aus, die sich absurd anfühlen. Am Ende könnt ihr über bestimmte Punkte lachen und über andere ernsthaft sprechen, die sonst vielleicht unausgesprochen geblieben wären. Das größte Gift für eure Beziehung ist beim Öffnen alles, was unausgesprochen verschleppt wird. Natürlich ist es dabei immer wichtig, wie ihr Dinge aussprecht und wie ihr die Dinge einordnet, die ihr von eurem Beziehungsmenschen hört. Eine gute und klare Kommunikation ist ein wichtiger Schlüssel, um herauszufinden, wie ihr mit Regeln umgehen wollt. Eine starke Kommunikation ist erlernbar. Kompromisse und unausgesprochene Dinge auf dem Weg der offenen Beziehung wieder einzusammeln, kann sich hingegen sehr verletzend anfühlen. Alles auszusprechen bedeutet übrigens nicht, alles zu klären. Es bedeutet eher, den Dingen einen Raum zu geben, die sich noch unsicher anfühlen. Manches bleibt unsicher und im Laufe der offenen Beziehung findet ihr dann einen Umgang damit. Anderes ist am Anfang unsicher, wird ausgesprochen und fühlt sich dadurch schon geklärt an.

Wann ist eine offene Beziehung sinnvoll? - Und wann ist sie es nicht?

Von einer monogamen in eine offene Beziehung hineinzuwachsen, kann unterschiedliche Auslöser haben. Wie oben schon erwähnt, kann dies aus einem Defizit oder aus einer (sexuellen) Neugierde heraus entstehen. Sinnvoll ist eine offene Beziehung dann, wenn ihr es beide möchtet. Schaut euch dann an, was euch dazu veranlasst und was eure Ausgangsbeziehung ausmacht. Wofür steht eure Beziehung? Was stärkt euch? Was schätzt ihr aneinander? Wie geht ihr mit Herausforderungen um? Was dürft ihr noch miteinander lernen? Diese Reflexionsfragen helfen dabei, eure Beziehung zu stärken und eine offene Beziehung zu gestalten. Sinnvoll ist eine offene Beziehung also immer dann, wenn beide ein Interesse, eine Freude und eine Sicherheit damit haben.

Nicht sinnvoll ist die offene Beziehung, wenn eine Person sich schuldig fühlt. Also Beispiel: Du hast einen bestimmten Kink, deine Beziehungsperson möchte diesen nicht erfüllen und ihr öffnet die Beziehung. Dieser Ausgangspunkt kann positiv und negativ sein. Positiv wäre es, wenn ihr gemeinsam offen über Sexualität sprecht, deine Beziehungsperson sich nicht ungenügend fühlt und du keine Schuld aussprichst, sondern ihr einfach gemeinsam entscheidet, eure Sexualität zu erweitern. Negativ wäre dieser Ausgangspunkt, wenn du Schuld aussprichst, weil deine Beziehungsperson den Kink nicht erfüllen möchte und deine Beziehungsperson sich ungenügend fühlt und darum aus der Schuld und Scham heraus die Beziehung öffnet. An diesem Punkt wäre eine offene Beziehung nicht sinnvoll und ich würde euch empfehlen, erstmal an eurer Beziehung zu zweit zu arbeiten, bevor ihr dann möglicherweise die Beziehung öffnet.

Fazit. Offene Beziehung - ja, nein, vielleicht.

Ich empfehle sich mit dem Ja, dem Nein und dem Vielleicht auseinanderzusetzen. Ihr habt die Idee einer offenen Beziehung. Wie fühlt es sich an, wenn ihr direkt Ja dazu sagt, welche Bedürfnisse melden sich dann? Was würde es mit euch machen, wenn ihr (erstmal) Nein dazu sagt? Und was würde sich nach einem Vielleicht anfühlen? Eine offene Beziehung gestalten bedeutet ehrlich kommunizieren, die Dinge, die sich melden, wichtig nehmen, ohne sie überzubewerten, sich immer wieder gegenseitig abholen und einchecken und keine unausgesprochenen Themen verschleppen.

Ihr habt Lust euch dazu begleiten zu lassen? In einer Paarberatung oder auch Einzelberatung helfe ich euch dabei, die wichtigsten Punkte gut zu besprechen und wenn euch danach ist, erste Schritte in das Öffnen der Beziehung zu gehen.

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